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„Kirche muss ja sagen zur Freiheit und Vielfalt der Menschen“

•        Kirche ist kein Selbstzweck, sondern muss für die Menschen da sein
•        Silvesterpredigt von Bischof Dr. Helmut Dieser im Aachener Dom
•        Pastoral muss echte Begegnung von Menschen, Milieus und Themen ermöglichen

Aachen, 31. Dezember 2021 – Kirche ist kein Selbstzweck: Ihre ganze Mühe und Anstrengung muss dazu dienen, dass die Menschen heute Gott begegnen können, betonte Bischof Dr. Helmut Dieser in seiner Predigt in der Jahresschlussandacht im Aachener Dom. „Für uns als Kirche heute heißt das: Ja sagen zu Freiheit und Vielfalt der Menschen, ja sagen zur Meinungs- und Religionsfreiheit, ja sagen zum freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat und seinem Regelwerk, für ihn eintreten, ihn schützen und stärken“, forderte der Aachener Bischof in seiner Silvesterpredigt. Ziel müsse eine Pastoral sein, die echte Begegnung mit vielen Milieus, Themen und verschiedenen Menschen ermögliche, wie es im Orientierungswort des synodalen Gesprächs- und Veränderungsprozesses „Heute bei dir“ benannt sei.

Freiheit ist bedroht durch Verdrehungen und Lügen
Mit Nachdruck kritisiert der Aachener Bischof die Gefährdung der Freiheit durch die Informationsflut in den digitalen Medien. „Alles geht in Echtzeit um die ganze Welt. Jeder kann jeden erreichen. Immer noch mehr Information erzeugt keinesfalls noch mehr Wissen“, mahnte er. Besonders zwei Dämonen seien es, die für die Freiheit bedrohlich seien: der „Troll-Dämon“, durch den zu einer bestimmten Information unzählige anderslautende Behauptungen, Gegendarstellungen, Verdrehungen oder skandalöse Lügen hinzugeflutet und weltweit verbreitet würden, so dass am Ende alles unsicher sei, und der „Cancel-Dämon“, der eine einzige Auffassung durchsetzen und für allein richtig und zulässig erklären wolle und die Meinungsfreiheit beschneide. „Der Troll-Dämon ist ein Massenverwirrer und -lügner. Er macht Freiheit unmöglich“, erklärte Dieser. „Auch der Cancel-Dämon schürt Angst, und er lässt nicht gelten, dass neue Erkenntnisse hinzukommen, die alles in ein anderes Licht rücken könnten. Und damit verhindert er das gemeinsame Dazulernen.“ Freiheit sei demgegenüber aber immer zuerst Freiheit von Übermächtigungen und Fremdherrschaften und müsse eine echte Freiheit für etwas werden, was man als richtig und wahr erkannt habe.

Synodale Kirche: Freimütig reden, intensiv zuhören und niemanden canceln
Gott wolle den Menschen in Freiheit führen von den Dämonen, die in jedem Gewand der jeweiligen Zeit auftreten und zu herrschen beginnen. „In ihm ist die ganze Wahrheit, alles kommt zusammen, nichts, was uns Menschen wirklich nötig ist, was uns frei macht, bleibt unterdrückt oder verborgen“, unterstrich der Bischof.  Nur der Glaube an Gott habe diese Kraft, und darum sei die Mühe, dass die Kirche aus ihren Krisen gestärkt herauskomme, kein Eigennutz, sondern überlebenswichtig. „Dass wir unsere Krisen in der Kirche durch Synodalität überwinden wollen, das ist das schönste Zeichen der Zeit: freimütig reden, intensiv zuhören, niemanden canceln, keinerlei Verwirrung zulassen, eine gemeinsame Wahl finden“, betonte Dieser. Die Kirche sei nicht für sich selbst da, sondern für die Befreiung der Menschen, damit sie Gott in Jesus Christus begegnen und eine ganz persönliche Wahl haben, um selber ganz zu ihm zu gehören. Das werde im  „Heute bei dir“-Prozess des Bistums Aachen, beim Synodalen Weg auf Bundesebene und bei der vom Papst einberufenen Weltsynode eingeübt.

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