Impressionen

Impressionen auch Aachen's schönstem Viertel

AN – Freude auf die Gesichter der Menschen bringen

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung: 

Der Aachener Streetart-Künstler bezeichnet sich selber als den „Huttänzer“, oder „Der mit dem Hut tanzt“. Foto: Heike Lachmann

AACHEN. Die „Paste Ups“ (angemalte Tapetenstreifen, die mit Kleister an Wänden angebracht werden) eines jungen Streetart-Künstlers aus Aachen haben im vergangenen halben Jahr im Frankenberger Viertel wie in Aachen-Forst Aufsehen erregt.

 Es sind Bilder beispielsweise mit Motiven wie einem Hippie-Bus, der sinnigerweise mit einem Panzer Liebe macht, oder heimatlosen streunenden Katzen, die zwar ein Zuhause suchen, sich aber dennoch auf der Straße herumtreiben – Bilder, die man an verschiedenen Stellen an der Bismarckstraße findet.

Oder es gibt den Jungen in kurzer Hose mit einem Modellbauschiff in der Hand und einer klassischen Schiffermütze auf dem Kopf. Alle diese Motive sollen nach dem Credo des Malers mit der Signatur „Öcher <3“ (Öcher Herz) allen eine Botschaft zeigen: „Ich versuche, ein bisschen mehr Frieden unter uns zu stiften und Freude zu schenken“, beschrieb der junge Mann, der seinen Namen lieber nicht nennen will, den „Nachrichten“ sein künstlerisches und vielleicht auch politisches Anliegen.

Näher an der Legalität

Der Mann ist Maschinenführer im Schichtdienst und verdient sich so seine täglichen Brötchen. In seiner freien Zeit sucht er im Straßenraum nach Orten, an denen er seine kunstvoll bemalten Papierbahnen anbringen kann. „Als Orte nehme ich die hässlichen Bunkerwände oder solche Stellen, an denen die Sachen nicht stören“, beschreibt er sein Bemühen, in Frieden mit der Obrigkeit seine Kunst möglichst vielen zugänglich zu machen.

Anders als bei den schwer zu entfernenden Graffiti oder den oft sinnfreien „tags“, also den Signaturen der Sprayer, achtet „Der mit dem Hut tanzt“, wie er sich in Anlehnung an Kevin Costners Film „Der mit dem Wolf tanzt“ selbst nennt, auf eine möglichst schonende Verbreitung seiner Kunst im öffentlichen Straßenraum. „Die Menschen sollen an meinen Sachen Freude haben“, ist sein Wunsch, denn er wolle mit seinen Arbeiten „ein Lächeln auf die Gesichter“ der Leute bringen und niemanden verärgern. Eben auch keine Hauseigentümer oder Ladenbesitzer, denen oftmals die Rollladen vollgesprüht würden und denen die Entfernung der Acrylfarben ein Heidengeld koste.

Doch das ist nicht alles. Friede auf der Welt im Sinne von „make peace, not war“ steht angesichts grausamer Kriege und ebenso brutaler wie menschenverachtender Terroranschläge für den friedensbewegten Künstler ganz obenan. Die Menschen müssten mehr Achtung vor dem Leben des anderen haben, erklärt der 29-Jährige eindringlich-philosophisch. Noch ist der „Huttänzer“ aus dem Ostviertel beileibe nicht so anerkannt, wie Aachens bekanntester Sprayer Klaus Paier (gestorben 2009 in Köln), dessen berühmtes Liebespaar noch heute an der Außenwand des Café Kittel an der Pontstraße zu bewundern ist.

Auf der Hut ist der „Huttänzer“, der auf seinen zotteligen Dreadlocks meistens einen Hut trägt, mit seiner Streetart durchaus, denn er befindet sich, wie er sehr wohl weiß, in einer Grauzone. So hat er in der Zeppelinstraße den dortigen Bunker ausgewählt, um ein Drei-Meter-Kunstwerk anzubringen, ein liegendes Mädchen im blauen Kleid weist auf das Weltproblem „Trinkwasser“ hin. „Support Viva Con Agua“ (Unterstützt „Viva Con Agua“), steht da. Diese stärker werdende Bewegung setzt sich für den menschenwürdigen Zugang zu Trinkwasser ein und kämpft gegen die Geschäftemacherei mit dem Süßwasser. Vielleicht soll Batman auf der Gegenseite der Bunkerwand dabei helfen.

Der 29-jährige ist kein Autodidakt, der sich quasi alles selbst beigebracht hat. Er habe an der Krefelder Hochschule Kunst und Design studiert, dort seinen Bachelor gemacht, erzählt er. Aufgewachsen sei er am Niederrhein und eben in Aachen. Krefeld sei seine Lebensstation geworden, nachdem sich seine Eltern getrennt hatten. Nach dem Studium zog es ihn zurück, er suchte sich eine Arbeit in Aachen und malt nun mit Hingabe seine Friedensbilder, auf denen Liebesmotive oder Motive der Freude manchmal in kleinsten Details versteckt sind.

„Wir alle“, sagte er schmunzelnd, „sollten viel mehr auf der Suche nach dem inneren Kind in uns sein!“

 

http://www.aachener-nachrichten.de/lokales/aachen/freude-auf-die-gesichter-der-menschen-bringen-1.1696036

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