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Die Lust an dampfenden Handschmeichlern

Nachstehender Artikel ist “Die Glocke online” entnommen:

Verl (rast) – Johann Sebastian Bach hat es getan, Albert Einstein und Willy Brandt ebenfalls. Sie haben Pfeife geraucht. Seit November 2016 gehört auch der Verler Frank Schmellenkamp zu dem Club. Der 51-Jährige raucht jedoch nicht nur Pfeife, sondern sammelt die dampfenden Handschmeichler auch.

Frank Schmellenkamp: Raucht gerne Pfeife und hat mit dem Sammeln begonnen. Bild: Steinecke

Bemerkenswert: Frank Schmellenkamp hat vorher gar nicht geraucht und ist für sein Hobby extra damit angefangen. Aber könnte man die Pfeifen auch sammeln, ohne sie zu rauchen? „Ich wollte schon immer Pfeife rauchen“, so der Verler und nennt auch gleich den Grund: „Weil es so gut riecht.“ Er habe die Umsetzung des Wunsches aber immer verschoben, da das Rauchen irgendwie ein wenig aus der Mode gekommen sei. „Meint man zumindest“, wirft Schmellenkamp ein.

Seit 2016 hat der technische Leiter bei dem Rietberger Türenhersteller Grauthoff sich eine beachtliche Sammlung zugelegt. „Die Pfeife muss einem gefallen“, nennt er das oberste Auswahlkriterium. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein neues oder ein gebrauchtes Exemplar handelt. Wenn das Auge zufriedengestellt ist, folgt das Gefühl: Wie liegt die Pfeife in der Hand? Das ist zum einen eine Frage der Form, zum anderen eine Frage von Material und Oberfläche. Matt poliert oder spiegelblank. Schwarz lackiert für festliche Anlässe oder mit Holzstruktur. Pfeifen bedienen alle Zwischentöne – je nach Gemütslage.

Das erste Sammlerstück Schmellenkamps war eine rundliche in Apfelform mit einem schrägen und am Ende gebogenen Mundstück. Das besitzt eine anfängerfreundliche, zum Gaumen hin gerichtete Öffnung. Die Gefahr des häufigen Zungenbrands wird dadurch minimiert. Frank Schmellenkamp: „Mit der Zeit bekommt man eine Hornhaut auf der Zunge.“ Die schützt aber nicht vor zu heißem Rauch. Der entsteht, wenn zu eilig an der Pfeife gezogen wird. Muße ist beim Pfeiferauchen also gefragt. „Mich beruhigt es, wenn ich eine Pfeife rauche“, sagt Frank Schmellenkamp. Deshalb war der Kauf der zweiten Pfeife auch nicht die allerbeste Idee. Sicher, das besonders kleine Exemplar ist ein Hingucker, doch als Intermezzo in der Mittagspause immer noch zu groß. Es bleibt schlicht zu wenig Zeit, um das Rauchen zu zelebrieren.

Nur eine bis zwei Pfeifen raucht Frank Schmellenkamp täglich. Je nach Größe der Tabakkammer kann das pro Pfeife eine dreiviertel Stunde oder drei Stunden Zeit in Anspruch nehmen. Als Genussmensch gehört für Schmellenkamp aber auch das Reinigen nach dem Rauchen zum Ritual. Und er hält sich strikt an eine Regel: Eine Pfeife wird nur einmal am Tag geraucht, damit sie wieder trocknen kann.

Lungenzüge sind verpönt

Pfeife ist nicht gleich Pfeife. Bestimmte Merkmale sollten schon erfüllt sein, denn sonst lässt sich der Tabak nicht vernünftig genießen.

„Eine gute Verarbeitung ist wichtig“, sagt der Verler Pfeifensammler Frank Schmellenkamp. Und der Rauchkanal, der durch das Mundstück führt, muss ganz unten am Boden der Tabakkammer beginnen. Ist das nicht der Fall, lässt sich der Tabak nicht komplett aufrauchen. Zudem sammelt sich unterhalb des Rauchkanals Kondensat. Und eine dickwandige Pfeife ist angenehmer, da sie besser gegen die Hitze isoliert.

Eine Pfeife muss eingeraucht werden. Erst nach zehn Füllungen schmeckt sie wirklich. Doch auch dann ist eine Sache verpönt: der Lungenzug. Als langjähriger Nichtraucher raucht Schmellenkamp trotzdem mit einem Aktivkohlefilter, den er nach jedem Gang wechselt. „Vielleicht ist das auch nur, um das Gewissen zu beruhigen“, erzählt der Sammler schmunzelnd.

Die Filmtrilogie „Der Herr der Ringe“ hat die Pfeife wieder bekannter gemacht. Der Zauberer Gandalf rauchte ein langes, gebogenes Exemplar. Ein deutscher Hersteller hat die Serie der Auenlandpfeifen aufgelegt. Doch auch die Pfeife von Zwerg Gimli hat es in die Produktion geschafft.

Zwischen 30 und 200 Euro gibt der Verler für eine Pfeife aus. Dabei ist es egal, ob sie neu oder gebraucht sind. Benutzte Pfeifen arbeitet er wieder auf. Am häufigsten sind die Pfeifen aus Bruyère-Holz gefertigt. Weitere Materialien sind Ton, Porzellan, Glas oder Meerschaum. Es gibt aber auch ganz preiswerte Stücke aus Maiskolben. Die zweite Wahl dieser Huckleberry-Finn-Pfeifen bekommt man für vier Euro. Die investiert der Sammler, wenn er eine ungerauchte Pfeife benötigt, um einen neuen Tabak auszuprobieren.

 

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1 Response

  1. Es ist mir eine Freude diesen Artikel über Pfeifenfreund Frank mit Euch zu teilen.

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