Impressionen

Impressionen auch Aachen's schönstem Viertel

Ein Jahr mit Höhen und Tiefen

Silvesterpredigt von Aachens Bischof Dr. Helmut Dieser

Aachen, (iba) – In seiner Silvesterpredigt hat Aachens Bischof Dr. Helmut Dieser zu mehr Verständnis füreinander und zum „offenen und angstfreien Reden“ in Kirche und Gesellschaft aufgerufen. Schon an der Krippe findet sich die entscheidende Lebenshaltung des Menschen, die wir brauchen, um mit Gott leben zu können. Maria, die Gottesmutter, habe dies vorgelebt: „Sie ist offen, hinhörend, hinschauend, einfühlend, kontemplativ. Und sie erwägt und erkennt in ihrem Herzen, dass Gott treu ist, dass er handelt, dass er neue Wege bahnt und zeigt.“ Im Rückblick auf das Jahr 2018 „will ich darum im Blick auf das Jahr marianisch fragen und erwägen: Was hat das zu bedeuten? Was geschieht? Was heißt das für dich und mich, für uns? Die Antworten finden wir wie sie bei Jesus“.
In seinem Jahresrückblick nannte Bischof Dieser die „tief erschütternden und beschämenden“ Forschungsergebnisse der Missbrauchsstudie als Beispiele für Gewalt bzw. Vertuschung und die Diskussionen um den Hambacher Forst. Doch auch positive Entwicklungen haben das vergangene Jahr geprägt: Die Seligsprechung von Clara Fey und der vor zwölf Monaten im Bistum gestartete synodale Gesprächs- und Veränderungsprozess „Heute bei dir“. – „Tausende von Gesprächen wurden und werden weiter geführt“, erläuterte der Bischof den „Heute bei Dir“-Prozess. In verschiedenen Phasen, Gruppen und Foren sollen bis zum Jahr 2021 Meinungen und Vorschläge von Menschen aus dem gesamten Bistum gesammelt werden: Wie muss sich Kirche verändern, um den gesellschaftlichen Veränderungen weiterhin gerecht zu werden? „Und allein das bedeutet doch schon so viel: dass wir miteinander reden wollen und es auch wirklich tun. Und reden meint immer zugleich auch einander zuhören. Und zuhören, das kann auch bedeuten: es ändert sich was, ich ändere mich, weil ich dazulerne, weil ich einsehe, was andere vor mir gesehen haben, höre, was andere schon längst erwägen. Da wird Gemeinsames deutlich, aber auch Unterschiedliches, ja Trennendes“, sagte Bischof Dieser. „Deshalb ist unser Prozess auch anstrengend und sogar ein Abenteuer. Nicht nur in der Gesellschaft, auch in unserer Kirche gibt es starke Polarisierungen und das Gemeinsame geht verloren.“
Reden, ein Aufeinander zugehen und Verantwortung übernehmen ist ganz besonders bei Missbrauchsfällen in der Kirche essentiell. 2018 war die so genannte MHG-Studie, die von Deutschen Bischöfen in Auftrag gegeben worden war, veröffentlicht worden und hatte zahlreiche Straftaten auch im Bistum Aachen öffentlich gemacht.

MHG-Studie: „Ja, wir wollen uns der Wahrheit stellen!“

Bischof Dieser sagte, „dass die Verantwortlichen den Schutz der Institution vor den Schutz der Opfer gerückt hatten, deshalb wurden Taten vertuscht, deshalb wurden Beschuldigte versetzt und die Beschuldigungen nicht angemessen aufgeklärt und bestraft, deshalb kamen die Täter sogar in die Lage, wiederholt Kinder zu missbrauchen“. Die Deutsche Bischofskonferenz habe aufgrund dieser Erkenntnisse eine Liste an Beschlüssen auf den Weg gebracht. „Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf Folgendem: Es muss uns gehen um weitere systematische Prävention, die auf allen kirchlichen Ebenen fest verankert ist. Aber es muss auch gehen um weitestgehende Aufklärung und Beurteilung der Vergangenheit. Und das mit fachlicher Hilfe von außen. Und es muss gehen um die Einbeziehung von Betroffenen. In allen Maßnahmen aber, die wir auf den Weg bringen, gilt die Opferorientierung, das heißt: kein weiteres Leid darf den Betroffenen angetan werden. Was sie nicht wollen, dürfen wir nicht tun. Und was wir tun, muss auch ihnen helfen und zugute kommen.“ Sein Fazit lautet: „Im Ganzen soll ein Klima des Vertrauens wachsen: Ja, wir wollen wirklich weiteren Missbrauch strikt verhindern! Ja, wir wollen wirklich die Vergangenheit aufarbeiten! Ja, wir wollen wirklich, dass den Betroffenen mehr Gerechtigkeit zuteil wird! Ja, wir wollen wirklich lernen, mit der Sexualität und ihren Abgründigkeiten angstfreier und ehrlicher umzugehen! Ja, wir wollen uns der Wahrheit stellen!“

Hambacher Forst: „Wer das eine schützt und das andere vernachlässigt, verliert alles!“

Wie es sich zum Teil im Hambacher Forst zeige. „Klimaschutz und Landschaftsschutz und damit Artenschutz und der Schutz der Grundlagen unserer Ernährung dürfen nicht mehr weiter in Konkurrenz zur Ökonomie und Energieversorgung gedacht werden. Wer das eine schützt und das andere vernachlässigt, verliert alles!“, betonte Aachens Bischof mit Blick auf den umstrittenen Braunkohleabbau. „Die großen Energieversorger müssen umdenken, die politisch Verantwortlichen in allen Parteien müssen umdenken, wir alle müssen umdenken und bereit sein, den Schutz unserer Lebensgrundlagen wirklich ernster zu nehmen. Doch das geht nicht, indem die einen den anderen alles diktieren oder die einen die anderen zu Sündenböcken machen. So spaltet sich unsere Gesellschaft nur immer mehr.“

„Heute bei dir“ als ein Zeichen der Hoffnung im Miteinander

„Auch heute gibt es gute Wege, die wir gemeinsam finden mit Gottes Hilfe. Auch heute sind wir nicht uns selbst überlassen und geraten nur ins Gegeneinander.“ Zu betonen dabei sei: „Wir werden nicht weltfremd durch das Evangelium. Wir werden vielmehr zu Menschen im richtigen Lot, zu Menschen, die lieben und durch diese Erdenjahre hindurch mehr als nur irdisches Leben entfalten.“ In diesem Zusammenhang erinnerte der Bischof an die Seligsprechung der Ordensgründerin Clara Fey am 5. Mai im Aachener Dom. Es war die erste Seligsprechung im Bistum überhaupt und hatte tausende Menschen aus aller Welt zur gemeinsamen Feier vereint. (iba / Na 097)

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